Blühfläche ist nicht gleich Blühfläche

In der Diskussion um blühende Landschaften werden immer wieder zwei komplett unterschiedliche Blühflächen  in einen Topf geworfen. Hier mal die Unterschiede zwischen landwirtschaftlichen Flächen und kommunalen Flächen:

Die landwirtschaftliche Fläche

  • Landwirtschaftliche Flächen sind in der Regel Flächen, welcher zur Lebensmittelgewinnung genutzt werden und vom Landwirt temporär für einen befristeten Zeitraum von 1 – 3 Sommern mit einer Samenmischung für Blühpflanzen bestellt wird. Das ist ein erster Ansatz, den Insekten den Sommer über Nahrung zu bieten, aber das Konzept ist sehr kurzfristig angelegt und hat einige Haken.
  • Die Samenmischungen blühen später als zum Beispiel die ersten Wildkräuter wie Vogelmiere oder in Form von Bäumen und Sträuchern die Weiden. Das sind im Frühling direkt nach dem Schnee die ersten Nektarlieferanten in der Natur. Die Samenmischungen werden erst im März / April ausgesät, denn bei der Saat-Mischung handelt es sich im Wesentlichen um Kulturpflanzen. (es sind uns nicht alle Mischungen bekannt und es gibt sicher auch welche, die Wildkräuter beinhalten aber die findet man in der Regel nicht auf den Äckern, weil sehr teuer und für die einjährige Bepflanzung selten gut geeignet, da viele Kräuter zweijährig sind)
  • Leider müssen die Blühflächen in der Landwirtschaft im Spätherbst / Winter des Jahres beseitigt werden, so dass es für Tiere (Insekten, aber auch Vögel Hasen und Nager) keine Winterdeckung gibt. (unterschiedliche Bundesländer schreiben unterschiedliche Daten von November bis Dezember vor)
  • Die Samenmischungen werden nur mäßig von Honigbienen und ein paar Hummeln besucht.
  • Wenn diese Blühstreifen neben einem Zuckerrübenfeld gepflanzt werden, erreicht man genau das Gegenteil. Die Insekten werden angelockt und bei der Behandlung der Zuckerrüben mit Insektizide wie z.B Neonicotinoide getötet. (drag and kill)
  • Interessant mag auch sein, dass wir als Steuerzahler diese Blühflächen zahlen. Der Landwirt erhält für das Bestellen der Felder mit Samen-Mischungen ca. 90 Euro extra pro Hektar, (zusätzlich zu den ca. 170€, die er als pauschale Direktzahlung auf angemeldete Fläche bekommt. (Welche Subventionen ein Landwirt bekommen kann, könnt ihr in dem Beitrag von einem Rhöner Landwirt erfahren. Mit einem Klick seid Ihr beim Beitrag.) Die meisten Landwirte nehmen die Subventionen gerne an, sind aber persönlich weit davon entfernt nachhaltige Konzepte umzusetzen. Dann würde so manches Feld, Feldrand und auch Weinberg anders aussehen. Vereinzelte Landwirte gehen hier komplett neue Wege und leben den Gedanken des Naturschutzes nachhaltig.
  • Nicht zuletzt werden zahlreiche landwirtschaftliche Blüh-Flächen illegaler Weise häufig auch schon vor der Getreideernte (Juni/Juli) weg gemulcht, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar ist, denn dann ist der Acker besser mit den Erntemaschinen befahrbar.
  • Landwirte können mit den Blühflächen einen kleinen Beitrag zum Erhalt unserer Insekten leisten, wenn die Blühflächen mit Bedacht ausgesucht werden und die Pflanzen möglichst lange stehen.

Die kommunale Blühfläche

  • Kommunale Flächen gehören den Gemeinden. Das sind zum Beispiel Flächen welche als Ausgleichsflächen für Wohn- oder Gewerbegebiete angeboten werden müssen, Wege, Randstreifen und Naturschutzgebiete. Diese Flächen stellen zusammen gefasst einen sehr großen Anteil der Grünflächen und können sehr gut genutzt werden, um langfristige Lebensräume für zahlreiche Tiere (Insekten, Vögel, Hasen, Nager, Amphibien und Reptilien) anzulegen.
  • Kommunale Flächen müssen nicht zwingend Blühwiesen sein, sondern können ganz unterschiedliche Gestalt annehmen. So kann man auf einem alten Bahndamm eine Magerwiese entstehen lassen. Auf dem Schotter können sich nur Pflanzen und Kräuter entwickeln, welche Nährstoff arme Böden bevorzugen. Das sind komplett andere Pflanzen, als auf einer sonst gut gedüngten Nutzfläche. (Artenvielfalt)
  • In Obstwiesen lassen sich Wiesen anlegen, welche auch mehrjährige Wildpflanzen und Kräuter wachsen lassen. Auch hier entstehen Nektarpflanzen, welche sich von den Samenmischungen der Landwirte deutlich unterscheiden. Dadurch, dass die Wiese zum Teil auch im Winter stehen bleiben kann, profitieren Vögel durch die Samenbildung und haben hier eine hochwertige Nahrungsquelle. Zudem kann die Winterdeckung aufrechterhalten bleiben. In den alten Obstbaumbeständen fühlen sich Spechte und kleine Käuzchen wohl.
  • Blühende Hecken bieten ganzjährig diversen Tierarten Futter und Schutz.
  • Wegränder können ebenfalls anders gepflegt werden, als die landwirtschaftlich genutzte Fläche. Hier gibt es die Möglichkeit mit Saat-Mischungen nachzuhelfen und parallel Wildkräuter zuzulassen. Auch hier steht die Artenvielfalt im Vordergrund.
  • Für diese Flächen braucht eine Gemeinde aber ein langfristiges Pflegekonzept. Viele Gemeinden nutzen die Möglichkeiten leider nicht, obgleich die ökologisch nutzbare Fläche riesig ist.
  • Man muss sich klar werden, welches Ökosystem entstehen und gefördert werden soll und hier gezielt eingreifen. Denn am Anfang brauchen diese Flächen ein wenig mehr Aufmerksamkeit, bis sich das gewünschte System einstellt. Vergleichbar ist das mit dem Anlegen eines Gartenteichs oder Aquariums. Da braucht es eine Weile, bis Pflanzen und Tiere ein Gleichgewicht gefunden haben.

Fazit

  • Landwirtschaftliche Blühflächen sind schnelle Lösungen auf einen Teil der landwirtschaftlichen Flächen, um den Insekten Nahrung bereit zu stellen.
  • Die landwirtschaftlichen Flächen tragen eher weniger zur Artenvielfalt bei. Wildbienen nehmen die Kulturpflanzen selten an. Es profitieren aber andere Insekten.
  • In Summe sind die kommunalen Flächen, die einem Pflege- Konzept unterliegen, die wertvolleren Flächen verglichen mit Ackerflächen, die vorübergehend mit blühenden Kulturpflanzen bestellt werden.  Diese ermöglichen durch die langfristige Pflege und die Spezialisierung auf Lebensräume eine größere Artenvielfalt und schaffen langfristig Lebensraum.
  • Hier können sich über Jahre Tierpopulationen aufbauen, was bei den kurzfristigen Lösungen nicht möglich ist.

Zum aktuellen Zeitpunkt brauchen wir dringend beide Konzepte parallel, wenn wir eine Wende im Artensterben erreichen wollen.

Text: Alexandra Gerhardt-Botzian

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